Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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Ich könnte morgen gehen, verſetzte Cornelius mit leuchtendem Blicke. 1

Im Geſichte ſeiner Schweſter malte ſich ein Schmerz, den er nicht gewahrte und mir brach das Herz, als ich ſah, wie begierig er war, uns zu verlaſſen; ohne darauf zu achten, fuhr er fort:

Je früher ich gehe deſto beſſer, nicht wahr, Kate? denn um ſo früher kehre ich wieder zurück.

Wohl wahr, ſeufzte ſie; und ſeine Abreiſe wurde auf die nächſte Woche feſtgeſezt.

Er befand ſich die ganze Woche in fieberhafter Auf⸗ regung. Zum erſten Male ſollte er die Freiheit koſten: er war jung, feurig, unruhig von Natur, ruhig durch den Zwang der Umſtände; kein Wunder, daß die Aus⸗ ſicht ihn entzückte. Ich war in einer Beziehung glück⸗ lich, ihn glücklich zu ſehen. Aber ich fühlte es auch ſchwer, daß er uns verließ. Er war heiter und ver⸗ gnügt, ich wollte ihn nicht durch den Anblick meines Schmerzes betrüben, der mich unwillkürlich quälte, und mied deßhalb ſeine Geſellſchaft, ſtatt ſie zu ſuchen. So ging ich zwei Tage vor ſeiner Abreiſe, ſtatt bei ihm und Kate im hintern Wohnzimmer zu bleiben, wo ſie am offenen Fenſter plaudernd ſaßen, in den Garten hinaus, um mich auszuweinen. In der Stille des Abends konnte ich jedes Wort des Geſpräches hören. Entweder wußten ſie dies nicht, oder vergaßen ſie es, denn nach⸗ dem ſie einige Zeit enthuſiaſtiſch von ſeinen Ausſichten geſprochen, fügte Cornelius plötzlich hinzu:

Wie unwohl ſieht doch Daiſy aus!

Sie grämt ſich um Dich. Das arme Kind liebt Dich mehr als je, Cornelius.

Glaubſt Du, wiederholte er ernſt.

Allerdings. Sie gibt ſich alle Mühe es zu ver⸗ bergen und vermag es doch nicht; und Du weißt, nur die Schönheit ſieht lieblich in Thränen aus.