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bekümmert aus und kehrte in ſeinem Eifer, mich wie⸗ der heiter zu machen, zu ſeiner freien und freundlichen Manier zurück, in welcher er beharrte, bis eine Bemer⸗ kung von ſeiner Schweſter oder eine zu liebevolle Hand⸗ lung von meiner Seite, ihn wieder kalt und vorſichtig machte.
Ich konnte mir den Grund von alle dem nicht den⸗ ken. Ich konnte nicht begreifen, warum Cornelius, wenn ich ihm zeigte, wie ſehr ich ihn liebte, ſo unge⸗ halten ausſah: ich verſtand nicht, warum er, als Kate einſt in ihrem ominöſeſten Tone zu ihm ſagte:„Corne⸗ lius, das Kind wird nicht immer ein Kind bleiben,“ warum er da erſchrak und zerſtreut im Zimmer auf und niederging. Noch weniger konnte ich mir erklären, war⸗ um, während er mehr als je an mir zu hängen ſchien, ängſtlicher für mich beſorgt war und mir auf jede Weiſe zu nützen ſich bemühte, warum er doch ſo heraus⸗ fordernd, kalt und zurückhaltend war.
Endlich konnte ich es nicht länger ertragen.
„Du liebſt mich nicht, ſagte ich wohl etwas aufge⸗ bracht zu ihm,„Du liebſt mich wirklich nicht; Du küß⸗ teſt mich nie— Du weißt wohl, nie.“ Und ich begann zu weinen.
Cornelius ſchien beinahe lächerlich verlegen. Er biß ſich auf die Lippe; ſeine aufgeriſſenen Augen ſnchten die Decke; er ſtampfte mit dem Fuße, ſeufzte tief, ließ den Kopf ſinken und ſah ſehr melancholiſch aus.
„Ich wünſchte, Du bliebeſt immer ein kleines Mäd⸗ von dreizehn Jahren,“ ſagte er traurig,„es wäre weit angenehmer.“
Mich pickirte dieſer Wunſch und that meinen Thrä⸗ nen Einhalt, um Cornelius damit anzudenten, daß ich nicht ewig ein kleines Mädchen bleiben werde; ich war davon überzeugt, wenn er ſich auch nicht um mich küm⸗ merte, ſo könnte er mich doch nicht hindern, mich um


