Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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dieſem Punkte, vermuthlich, um mich von der Nothwen⸗ digkeit der Selbſtbeherrſchung zu überzeugen.

n mußt die Gouvernante der Kinder werden, agte er.

Ja, natürlich muß ſie das, ſagte Kate beſtimmt.

Ich wandte mich triumphirend nach ihr um.

Du vergiſſeſt wohl, ſagte ich, daß, wenn ich die Gouvernante bin, ich immer um ihn ſein werde.

Cornelius ſchien verlegen und doch auch wieder an⸗ genehm von dem Geſpräch berührt.

Es iſt ein ſeltſamer Grad von Hartnäckigkeit in dem Mädchen, ſagte er,ſie kommt immer wieder auf die Idee zurück, bei uns bleiben zu dürfen.

Weil ſie nichts halb ſo lieb hat, ſagte ich und ſah ihm in's Geſicht.

Ah, Mignon! Mignon! ſeufzte Kate.

Wer iſt Mignon? ſagte ich, betroffen von dem Namen, den ich zum zweiten Male hörte.

Es iſt über Viertel nach zehn, lautete die Ant⸗ wort, die mir Miß OmReilly gab.

Ich ſah Cornelius an, aber er zeigte keinen Wunſch, mich zurückzuhalten; ich gab nach und ver⸗ ließ ſie.

Von dieſem Tag trat eine merkwürdige Veränderung in ſeinem Benehmen gegen mich ein. Er war ſo freund⸗ lich, wie zuvor, aber keineswegs mehr ſo vertraulich. Er nannte mich immer ſeine kleine Tochter, aber kaum benützte ich dieſe eingebildete Verwandtſchaft, um größere Freiheit und Zärtlichkeit zu beanſpruchen, als er mich durch die hartnäckigſte Kälte zurückzuſchrecken ſuchte. Er nahm meine Liebkoſungen mit eiſiger Gleichgültigkeit, häufig ſogar mit einem Widerwillen auf, den er nicht ver⸗ barg; er erwiederte ſie ſelten, und wenn er es that, ge⸗ ſchah es nie mit der Freundlichkeit und Wärme, an die ich ſeit Jahren gewöhnt war. Wenn ich dies fühlte und traurig und unglücklich wurde, ſah Cornelius auch