Teil eines Werkes 
1.-6. Bdchen (1853)
Entstehung
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Daſſelbe war mit ihrer Schweſter der Fall. So lange ſie lebte, war Miriam ganz vernarrt in ſie; ſobald ſie im Grabe lag, wurde ihr Name mit keiner Silbe mehr erwähnt. Alles, was an ſie erinnern konnte, wurde als zu peinlich ſorgfältig vermieden; ein neuer Gegenſtand, eine neue Leidenſchaft beſchäftigte ihre ganze Seele; ſie war geweſen, aber ſie war nicht mehr. Für die, welche wahrhaft lieben, gibt es eine Treunung, aber keinen Tod: ihr Herz hält wie ein gaſtfreundlicher Wirth den Platz für die Gäſte, die er einmal empfangen und be⸗ wirthet, ſtets offen. Bei Miriam war dies nicht der Fall. Da das Weſen, das ſie einſt entzückt, ſie nicht mehr ergötzen konnte, ſo hörte es auch auf, ſie zu beſchäftigen. Ich ſah ſie nie mehr nach ihrer Trennung von Cornelius, aber ich kann mir kaum denken, daß der Verluſt deſſen, den zu gewinnen ſie ſich ſo viele Mühe gegeben, ihr auch nur einen ſchmerzlichen Augenblick koſtete; ſie hatte nicht geliebt, aber er hatte es, und er trug den Kummer ganz allein.

Wie wird er ihn tragen? Das war eine Frage, die weder ſeine Schweſter, noch ich hätten beantworten können. Er war an jenem Abend, an dem er das Schmerzliche erfahren, ausgegangen, von einem dunkeln Gefühle getrieben, das uns Orte aufzuſuchen drängt, wohin kein Auge reicht, und wo die ruhige Stille der Mutter Natur auf unſere aufgeregten Sinne und unſer verwundetes Herz ſo wohlthätig wirkt. Er kam am näch⸗ ſten Morgen wieder, müde und erſchöpft, wie Jemand, der weit gewandert iſt und vergeblich Frieden geſucht. Seine Schweſter ſah ihn düſter an und ſagte in ihrem ſanfteſten Tone:

Es iſt hart, Cornelius! 4

Er ſah ihr ihr ins Geſicht und ſagte ruhig:Ja, Kate; aber es gibt keinen Kummer, der nicht verſchmerzt und bezwungen werden könnte.

Der durch die Täuſchung tief verletzte Stolz verſchloß

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