22
wußte nicht, wie und warum; ihm gehörte von dieſer Stunde mein ganzes Herz.
Drittes Kapitel.
Cornelius O Reilly hatte zu viel Tact, um nicht augenblicklich zu fühlen, welche Gewalt er über das ſtolze und ſcheue Kind gewonnen, das ſeit Jahren unempfind⸗ lich und zurückſtoßend gegenüber ſeiner Freundlichkeit geweſen und nun ſich in einem Augenblicke ganz und unge⸗ theilt hingab. Er ſah mich gedankenvoll und freundlich lächelnd an; ich verſtand die Bedeutung dieſes Lächelns, es änderte aber meine Lage nicht. Ich fühlte mich ſo glücklich in dieſer Hingabe, in der von meiner Seite zugleich eine Unterwerfung, der ſchöne Glaube des Kin⸗ des, von ſeiner Seite Schutz— der wahrſte Genuß der Stärke,— auf beiden Seiten Liebe lag, ohne die die Abhängigkeit zur Sclaverei, der Schutz zur Laſt wird.
„Cornelius' Charakter war offen und gerade; er ergriff plötzlich die Zügel ſeiner Autorität und fand mich geleh⸗ riger, als ich je rebelliſch geweſen: es lag ebenſowenig in meiner Natur, halben Gehorſam zu leiſten, als getheilte Liebe zu ſchenken. 3
„Wir müſſen gehen, Margaret,“ ſagte er in einem Tone, der trotz ſeiner Freundlichkeit keinen Widerſpruh zuließ.
Ich erhob mich und nahm ſeine Hand ohne zu murren.
Wir kehrten nach Honeyſurckle Cottage zurück, wo wir Miß Murray ſich mit Abby wundernd fanden:„was wohl aus dem armen Kinde geworden.“ 5


