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verlor einen freundlichen Vater, eine vortreffliche Mut⸗
ter, eine liebevolle Tante, den theuerſten Bruder— Die Liſte wurde ploͤtzlich unterbrochen; durch die leiſe geöffnete Thüre trat ein Knabe von elf bis zwölf Jahren, ſchlank, kräftig, blond, ziemlich hübſch, aber roh und ungeſchlacht, wie ein junger Bär. Es war ihr Neffe William. Sein Vater war vor ſechs Mona⸗ ten geſtorben und hatte ihn der Erziehung ſeiner Tante anvertraut, die ihn augenblicklich wegen ſeiner ſchlechten Aufführung in eine Schule that. Seine zeitweiſen Beſuche, 3
während der Feiertage, waren für ſie eine Quelle manchfacher Leiden. Als ſie ihn eintreten ſah, blickte Miß Murray wie Jemand, der auf Alles gefaßt iſt, auf und fragte leiſe:„William, haſt Du Abby ge⸗ ſehen 2“ „Ja,“ lautete ſeine trotzige Antwort. 5 „Dann möcht' ich Dich bitten,“ fügte ſie empha⸗ tiſch hinzu,„meine und dieſes theuren Kindes Gefühle zu reſpectiren.“ fort Er ſah mich an: antwortete jedoch nicht. Sie fuhr ort: „Benimm Dich nicht, wie ein junger Wilder,— wenn Du kannſt,“ fügte ſie freundlich hinzu. 5 William ſah ſeine Tante ſcheel an, und ſteckte ſtatt jeder Antwort die Hände in die Taſchen.
„Du haſt denſelben Schmerz erlebt,“ fuhr Miß Murray fort,„und wenn ich auch nicht ſagen kann, daß Deine Sprache immer ehrerbietig gegen das An⸗
denken meines vielbeweinten Bruders war—“ „Warum überließ er mich der Weiberherrſchaft!“ unterbrach ſie William ärgerlich,„Du glaubſt doch aicht, ich werde mich von ein paar Frauen unterjochen laſſen. Ich komme ſingend herein, denn ich wußte von nichts, und da nennt mich Abby eine lachende Hyäne, und kaum trete ich ins Zimmer, ſo heißt Du mich einen Wilden. Da ſoll doch!“


