Wohnzimmer trat, bemerkte ich zwei Taſſen auf dem Theebret.„Iſt Papa zurück?“ fragte ich, ohne Sarah anzuſehen.
„Miß,“ ſagte ſie ungehalten.„Diener ſind weder Hunde noch Katzen. Ich ſchäme mich für Sie, Miß.“
„Iſt Papa zurück?“ fragte ich wieder mit all' der Inſolenz bewußter Sicherheit.
Wenn Sarah kecker geweſen, hätte ich wohl eine geſunde Ohrfeige bekommen, aber ich wußte, daß ſie es nicht wagen würde: ihre Vorgängerin war entlaſ⸗ ſen worden, weil ſie es gewagt, mir mit körperlicher Züchtigung zu drohen: ſie kämpfte deßhalb ihren Zorn nieder und antwortete mit bitterem Tone:„Nein, Miß, der Doctor iſt noch nicht zurück.“
Ich ſah die beiden Taſſen an und ſagte:„Ich will meinen Thee allein trinken.“
Sarah wurde ſcharlachroth, wie die Bänder an ihrer Haube, ſah mich höhniſch an, lächelte und ſagte mit ſchadenfrohem Tone:„Nein, Miß, Sie werden den Thee nicht allein trinken; Mr. O'Reilly iſt angekom⸗ men, und da er nicht zu dem Dienertroß gehört, ſo wer⸗ den Sie ſich wohl bequemen, mit ihm den Thee zu trinken.“ 1
Ich ſeufzte bei dieſer Nachricht.
Cornelius O'Reilly war der Freund und Lands⸗ mann meines Vaters, der ihn von ſeiner Kindheit an gekannt und ihn unterſtützt und erzogen hatte. Er kam jeden Herbſt auf zehn oder vierzehn Tage nach Rock Cottage. Dabei verſäumte er nie, mir ein Geſchenk zu bringen: doch machte mir dieß nicht gerade ſeinen Be⸗ ſuch willkommener. So lange er bei uns war, wurde ich weniger geliebkost, weniger verhätſchelt, und vor allem bekümmerte ſich mein Vater weniger um mich, das konnte ich dem jungen Manne nicht verzeihen.
Als Sarah den unliebenswürdigen Blick bemerkte, mit dem ich die Nachricht ſeiner Ankunft aufnahm, rief ſie


