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Verflossene Stunden : Novelle / S. Junghans
Entstehung
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blieben am Hofe, wo Deinen Vater ſeine Stellung feſt⸗ hielt, und waren ſehr glücklich in unſerm Kinde, einem herrlichen Knaben. Du haſt mich von Deinem Bruder ſprechen hören er war ein unvergleichliches Kind. Auffallend ſchön war er, wie ſein Großvater, mein Vater geweſen. Von ſeinem Vater hatte er die im Knabenalter ſchon ſtattliche Höhe, die Kraft, den Muth und die Wahrheitsliebe, welche oft Eigenthum der Starken ſind. Nie iſt über ſeine Lippen die geringſte Unwahrheit gekommen, er hätte es verachtet, auch nur den Schein einer Lüge auf ſich zu laden durch Wort oder Handlungsweiſe. Wir lebten ganz in ihm Dein Vater und ich. Es war während einer kurzen Abweſenheit meines Gemahls, daß das Schickſal uns traf. Unſer Sohn, unſer Hugo, war am Morgen fröh⸗ lich fortgeritten mit einigen jungen Edelleuten, die zum Haushalte des Fürſten gehörten; obgleich er weit jünger war als ſie, machten ſeine Größe, ſeine Stärke und Gewandtheit und ſein durchdringender Verſtand ihn zum paſſendern Gefährten für dieſe jungen Leute als für ſeine Altersgenoſſen. Wie oft habe ich ſeitdem bereut, daß ich ihn fortgelaſſen! Meine Mutter preßte die Hände gegen die Stirn in einer Art hülf⸗ loſen Sichgehen laſſens, wie ich es nie an ihr geſehen. Ich war ſtolz darauf, daß ſie ihn zum Genoſſen