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Verflossene Stunden : Novelle / S. Junghans
Entstehung
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langſam einem überwältigenden Entzücken wich. Er legte mein Schweigen und meine Gemüthsbewegung falſch aus, aber obwohl er meinte, ſeine Hoffnung auf⸗ geben zu müſſen, ſchien er an ſich ſelber kaum zu denken in der Sorge um mich.

Die Mutter ſchwieg hier; ich merkte es kaum, ſo ſehr war mein Geiſt erfüllt von den Geſtalten, welche ſie mit ihrer einfachen Erzählung heraufbeſchworen hatte. Ich ſpann den Faden weiter, ich malte mir die Scene zwiſchen dem ſchönen Hoffräulein und dem werbenden Cavalier bis ins Kleinſte aus. Wie glücklich hatten ſich die zwei gefunden, die ſo innerlich wahr, ſo gerade⸗ aus und edel waren in einer Welt der ſteifen Form, der hohlen, anſpruchsvollen Etikette. Aber ich fand bald, daß ich mich geirrt hatte mit dem leidenſchaft⸗ lichen Schlußact, den ich mir ausgedacht. Der Frei⸗ herr von Günthershofen hatte, nachdem ihm doch end⸗ lich klar geworden, was das Erbleichen und die Verwirrung des Fräuleins von Ardenberg zu bedeuten gehabt, der⸗ ſelben beim Gehen ehrfurchtsvoll die Hand geküßt, als ſeinerliebwerthen Braut, weiter nichts ſo

feſt hatten ſich die Formen der Geſellſchaft jener Tage

auch um die Beiden gelegt. Die Fürſtin entließ mich ungern, aber mit vielen Beweiſen ihrer Huld, fuhr meine Mutter fort.Wir