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Zerſtreuungen und widmete ſich ſeiner Familie ſelten; nie habe ich, dem äußern Anſtande nach, einen voll⸗ endetern, liebenswürdigern Cavalier geſehen. Du ſiehſt ihm ähnlich, liebe Margarethe, Du haſt ſeine Augen und ſeine Stirn und biſt ſchlank wie er, auch erinnert mich Dein Weſen an ihn, bei Deinen kleinen Dienſtleiſtungen, die Du mir mit wahrhaft ritterlicher Galanterie zu Theil werden läßt.“
Ich fühlte mich roth werden vor Vergnügen; die Mutter in ihrer ernſten, beinahe ſtrengen Art lobte mich ſo ſelten.
„Aber ich werde geſchwätzig, recht wie eine alte Frau“, fuhr ſie jetzt fort,„ich muß mich zuſammen⸗ nehmen. Deinen Vater, den Herrn von Günthershofen, kannte ich am Hofe von B.; mehrere Jahre lang; er war um Vieles älter als ich, ein herrlicher, ernſter, edler Mann, der daſtand wie ein Fels der CEhre in den Strudeln des leichtfertigen Hoflebens. Ich hatte ihn ſtets verehrt; die ausgezeichnete Achtung, mit der er mich vor andern Frauen behandelte, that mir unendlich wohl. Aber als er eines Tages zu mir kam und mich um meine Hand bat, mich ſelber, in ſchlichten Worten— als ich den hohen, ſchönen Mann vor in⸗ nerer Bewegung zittern und erblaſſen ſah, da verlor ich faſt das Bewußtſein, vor Schrecken anfangs, der


