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mit Nähen beſchäftigt.“ Dieſe Lüge ſchien mir in dem Augenblick ein geringeres Unrecht als die Unred⸗ lichkeit, meine Mutter in ihrem Irrthum zu belaſſen. „Ich— ich beſſere Einiges aus— unſere Tafellein⸗ wand“, fuhr ich in Verzweiflung heraus, da die Mut⸗ ter in unwilligem Schweigen verharrte.„So“, ſagte ſie, etwas verſöhnt durch meine letzte Wendung.„Strenge Deine Augen nicht zu ſehr an, liebes Kind; geh bald ſchlafen. Gott ſegne Dich!“
Dieſe liebreichen Worte brachten mich vollends außer Faſſung. Die Scham über meine Lüge und Zorn über die bittere Nothwendigkeit, welche mich zu derſelben gebracht, Alles zuſammen war zu viel; ich eilte indas, Zimmer zurück und brach in heftiges Weinen aus welches durch die Anſtrengung, mein Schluchzen zu unterdrücken und von meiner Mutter ungehört zu bleiben, beinahe krampfhaft wurde. Aber dieſer erleich⸗ ternde Ausbruch durfte nicht lange währen; ich trocknete mir ſchließlich die Augen und machte mich entſchloſſen daran, die unſeligen Glasperlen aufzuleſen, eine jede einzelne, auf daß keine verrätheriſchen Spuren meine nächtlichen Treibens zurückblieben.


