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verborgen gehalten wurde, einen Korb mit verſchiedenen Wollſorten und Perlenſchnüren herbei und begann zu ſticken. Hatte ich doch auf dieſe Weiſe ſchon Monate lang, im Complot mit der freundlichen Gattin des Kaufmanns, welcher dieſe Arbeiten verwerthete, der Mutter manche Erleichterung verſchaffen können, mit einer Genugthuung, die freilich getrübt wurde durch das leidige, ſo nothwendige Geheimhalten des kleinen Er⸗ werbszweigs. 2
Jetzt regte ſich's in der Schlafkammer der Mutter; ich horchte ängſtlich und wagte nicht einmal den Faden vollends auszuziehen.„Margarethe!“ rief die Mutter plötzlich; ich ſprang auf, ſo haſtig, daß ich dabei die Schachtel mit den Glasperlen umwarf, die zu Thau⸗ tropfen auf meinen wollenen Roſen beſtimmt waren Mit einem Geräuſch, welches mir alles Blut nach dem Herzen trieb, rollten die garſtigen kleinen Dinger auf den Fußboden, ein nicht endenwollender Regen.„Mar⸗ garethe, mein Kind“, ſagte die Mutter,„Du haſt Dir in der letzten Zeit angewöhnt, gar zu lange zu leſen; ich hoffe, Deine Lectüre iſt wenigſtens eine gediegene; es wird Dir von Nutzen ſein, wenn Du Racine und Corneille wieder einmal vornimmſt; Du kannſt—“
„Liebe Mutter“, wagte ich zu unterbrechen, obwohl mit unſicherer Stimme,„ich las eben nicht, ich war


