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Margarethe“, ſagte ſie noch nachdenklich, als ich meine effectvolle Stellung längſt verlaſſen hatte, um ihr den alten, noch immer eleganten Spitzenſhawl um die Schultern zu hängen, in welchem ſie, wenn ſie lang⸗ ſam und aufrecht durch die Straße ins Freie hinaus⸗ ſchritt, ſo prächtig ausſah, daß es die Frauen des Städtchens der„alten Adligen“ gar nicht verzeihen konnten.
Ich war allein und richtete nun in beſcheidenen Ausdrücken einen Brief an jene Mrs. Gray, deren Wunſch, eine Erzieherin für ihre Kinder direct aus Deutſchland zu engagiren, ich durch unſern freundlichen Pfarrherrn erfahren hatte. Der Pfarrer war vor Jahren Hauslehrer in England geweſen und hatte ſeine Verbindungen mit einigen Familien dort mit Vor⸗ liebe aufrecht erhalten.
Mit klopfendem Herzen bot ich meiner Mutter bei ihrer Zurückkunft den Brief zum Leſen und fühlte eine große Erleichterung, als ſie abwehrend mit dem Kopfe ſchüttelte, da ich wußte, daß ſie, wenn ſie das unglück⸗ liche Document geleſen hätte, daſſelbe unfehlbar zerriſ⸗ ſen haben würde.
Die gute Mutter— ſie begab ſich bald zur Ruhe und ich trug nun mit leiſen Schritten aus einem dunkeln Kämmerchen neben der Küche, wo er ängſtlich


