Hier unterbrach ſie ſich und fuhr erſt nach einer Weile in ganz verändertem Tone fort, in dem hochfahrenden, bittern Tone, den ihr das Unglück erſt angewöhnt hatte: „Die Frau eines Krämers hier, eines Victualienhänd⸗ lers, der ſich vom Geſchäft zurückgezogen, wie ich höre, hat anfragen laſſen, ob Du, meine Tochter, eine gewiſſe Stickerei anfertigen wollteſt, ich glaube, zur Ausſteuer ihrer Tochter beſtimmt. Es iſt mir ganz unerklärlich, wie die Perſon dazu kommt, uns dieſen Affront zuzu⸗ fügen. Kannſt Du es begreifen, Margarethe?“ Ich be⸗ griff den Zuſammenhang wohl und hätte ihn meiner gekränkten Mutter leicht erklären können, ich wäre aber lieber geſtorben, als daß ich es gethan hätte. So gut ich konnte, lenkte ich daher das Geſpräch auf an⸗ dere Gegenſtände und bat zuletzt in unbefangenem Tone, daß meine Mutter ihren Spaziergang heute allein machen möchte, da ich jenen Brief ſogleich zu ſchreiben wünſchte. Sie ſah mich einen Augenblick ſcharf an und ſagte dann lächelnd:„Du willſt mich aus dem Wege haben; nun gut, ich will Dich allein laſſen. Ich hoffe, Du wirſt ſo ſchreiben, wie es einer Günthershofen zukommt.“ Ich richtete mich hoch in die Höhe und warf den Kopf zurück, eine Bewegung, durch die ich meine Mutter eher beruhigen konnte als durch viele Worte.„Du wirſt Deinem Großvater immer ähnlicher,
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