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kleinen Dienſtmädchen aus einem benachbarten Dorfe, welches wir nach ſeiner Confirmation ins Haus genom⸗ men und welches meine Mutter ſeiner haſtigen, unge⸗ ſchickten Bewegungen halber kaum um ſich dulden konnte. Wenn ich daran dachte, daß die ſtattliche alte Dame, welche in frühern Jahren über die correcte Bedienung von Lakaien verfügt hatte, nun bald den unbeholfenen Verſuchen unſeres Lieschen allein anheim gegeben ſein ſollte, ſo erfaßte mich ein wahres Entſetzen und der Ge⸗ danke an ein Fortgehen von hier erſchien mir ſchrecklich. Aber aufgegeben konnte er nicht werden, das verhin⸗ derte die bittere Noth; es ging eben ſo nicht länger. „Margarethe, Du ißt nicht“, ſagte meine Mutter ſcharf nach einiger Zeit des Schweigens. Es war gar ſo wenig Butter in der Glasſchale auf dem Tiſche— ich verſicherte der Mutter, daß ich durchaus keinen Hunger habe und es höchſtens über mich gewinnen könne, ein Stückchen Brodrinde zu eſſen, und darauf verfielen wir beide von neuem in Schweigen, bis ich infolge meines Gedankengangs mich hinüberbeugte und meiner Mutter die Hand küßte, indem ich ihr dankte für ihre Erlaubniß zur Ausführung eines lange gehegten Plans. „Es kommt mir ſchwer an, Dich gehen zu laſſen, mein Kind“, ſagte ſie weich, indem ſie mit ihrer ſchmalen
Hand leiſe über mein Haar ſtrich,„ſehr ſchwer, aber—“


