Teil eines Werkes 
1. Bd. (1853)
Entstehung
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begleiten ſollte, bis der Sommer ſie, gleich einer zar⸗ ten Pflanze, zu vollkommener Geſundheit wieder her⸗ ſtellen würde.

Sie richtete ihre ſanften Augen mit mildem, aber ſchwermüthigem Lächeln auf mich.

Weißt Du wohl, lieber Louis, ſagte ſie,ich beginne zu denken, daß dieſe Zeit nie kommen wird.

Ich ſah ſie erſchrocken an, und ihre Hand zärt⸗ lich auf die meine legend, fügte ſie hinzu:

Ja noch mehr, mein Lieber, ich fürchte, ich

werde nie Dein Weib ſein Du möchteſt Dich denn entſchließen, mich zu nehmen, wie ich jetzt bin, Dich ſehr bald von mir zu trennen.

O Louiſe, Louiſe, rief ich, ſie mit der ſchreck⸗ lichen Ueberzeugung, die ſich jetzt mir zuerſt bei dieſen Worten aufdrängte, die ſie nie vorher angewendet hatte, an mein Herz drückend,hege keine ſo trauri⸗ gen Befürchtungen. Werde ſogleich die Meine, theures Mädchen, und laß Dich von dieſem traurigen Orte hinwegführen in langſamen, kurzen Tagereiſen oder zur See wie es ſein mag.

Eine Thräne trat in ihr Auge, und ihren Kopf

auf meine Schulter lehnend, ſagte ſie in leiſem Tone:

Ich will Dir geſtehen, es würde wonnevoll für

mich ſein, Dein Weib zu werden, und wäre es nur auf einen Tag doch welches Recht habe ich, fügte ſie hinzu,es in dieſem Zuſtande zu verlangen, wo