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ſo beſuchte der gute Prediger der Gemeinde ſie mehr⸗ mals, und da er freundſchaftlich gegen mich geſinnt war, ſo ſprach er oft nach dem Beſuche mit mir— obgleich mir ſeine Unterredung jetzt nicht ſo gut gefiel, wie früher, denn ſie war ſehr düſter und er bemühte ſich offenbar, meinem Geiſte die traurigen Erwartungen mitzutheilen, die den ſeinigen erfüllten. Die Strahlen der religiöſen Hoffnung ſuchte er mir auch mitzutheilen; aber ich hielt mich damals an ir⸗ diſche Hoffnungen und wünſchte ſie nicht aufzugeben.
Eines Morgens, als er bei Louiſe geweſen war, bemerkte ich Thränen auf ihrer Wange, als ich zu ihr ging; denn jetzt ſtand ſie erſt zu einer ſpäten Stunde auf, und da aller ſchmerzliche Zwang entfernt war, ſo ſetzte ich mich dann gewöhnlich an ihr Bett und las ihr einige Stunden vor.
Ich war halb ärgerlich auf den alten Mann, daß er ſie traurig gemacht; aber ſie erlangte bald ihre Heiterkeit wieder und erſt zwei Tage ſpäter erfuhr ich, daß er ihr geſagt, ſie müſſe ſterben.
Ich ſaß neben ihr und umſchlang ſie zärtlich mit meinem Arme, als ſie von Kiſſen unterſtützt daſaß, und ich gab mich jenen träumeriſchen Hoffnungen hin⸗ ſichtlich der Zukunft hin, die ich noch hegte und auch bei ihr vorausſetzte. Ich ſprach von unſerer beabſich⸗ tigten Reiſe nach dem Süden, um dem kalten Win⸗ terwetter Hamburgs zu entgehen, wohin ihr Vater uns


