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bevoller Gemüthsart. Ich fand durchaus nicht, daß ſie ſchwer lernte— im Gegentheil war ſie eine ſehr fähige Schülerin; aber zuweilen gab es Dinge, die ſie nicht begreifen konnte, und dann pflegte ſie mir lächelnd ins Geſicht zu blicken und zu fragen, ob ſie nicht ſehr einfältig ſei; und dann ließ ſie ihre Hand in die meine ſinken und dort ruhen, als ſollte ſie Ver⸗ zeihung erbitten.
Wir waren beide ſehr jung; ſie noch nicht acht⸗ zehn und ich noch nicht zwanzig, und ſeltſame neue Gefühle wurden in meinem Herzen für ſie rege. Ich will ſelbſt jetzt nicht behaupten, daß es Liebe war, und damals wollte ich überhaupt nicht fragen, was es ſei. Es war eine Zärtlichkeit— ein Gefühl der ſanften und ruhigen Zuneigung— eine Vorliebe für ihre Geſellſchaft— ein Vergnügen, jene ſanften Au⸗ gen in die meinen blicken zu ſehen, und eine Dank⸗ barkeit für die Freundlichkeit, die ſie mir ſtets und bei jeder Gelegenheit bewies. Was ſie empfand, er⸗ fuhr ich ſpäter; aber ich muß wieder zu meiner Le⸗ bensweiſe in Hamburg zurückkehren.
Durch die freundliche Bemühung des guten al⸗ ten Profeſſors erhielt ich noch mehrere andere Schü⸗ ler und hatte das große Glück, zu bemerken, daß meine Einnahmen meine Ausgaben überſtiegen. Ich warf meine Reiſekleidung ab, zog aus meinem Tor⸗ niſter die Kleider hervor, die ich ſorgfältig geſchont


