Ich kehrte wieder in das Zimmer zurück, wo Louiſe Haas ſaß, und wo ich beinahe neun Monate lang jeden Tag zwei Stunden und den größten Theil faſt jeden Sonntages zubrachte. Sie war ein hüb⸗ ſches Mädchen mit kleinen wohlgebildeten Geſichtszü⸗ gen, einer graziöſen und abgerundeten Geſtalt und ei⸗ ner klaren Geſichtsfarbe, die bei verſchiedenen Gemüths⸗ bewegungen beträchtlich wechſelte. Ihre Mutter war vor vier oder fünf Jahren an der Auszehrung, jener Peſt der nördlichen Länder, geſtorben. Es war Nie⸗ mand im Hauſe, als ſie, ihr Vater und zwei Die⸗ nerinnen; es kam faſt keine andere Geſellſchaft ins Haus, als ernſte alte Profeſſoren mit langen nicht ganz wohl ausgekämmtem Haar; und ſo waren Leh⸗ rer und Schülerin, gleich Abälard und Heloiſe manche Stunde allein, da ich ihres Vaters Befehl hatte, ſie im Engliſchen ſo wie in allem Andern zu unterrich⸗ ten. Pater Bonnevilles gute Lehren aber, einige Weltkenntniß und manche harte Erfahrungen nebſt an⸗ deren Gefühlen, die ich nicht wohl beſchreiben kann, verhinderten mich auch, nur daran zu denken, meine Stellung auf unredliche Weiſe zu benutzen. Es war indeſſen natürlich, daß unter ſolchen Umſtänden die Bekanntſchaft bald zur vertrauten Freundſchaft wurde. Ja, es war nicht unnatürlich, daß kleine Zeichen der Freundlichkeit und Zärtlichkeit zwiſchen uns vorkamen; denn obgleich ſehr ruhig und ſanft, war ſie von lie⸗
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