204
unbegründete Muthmaßung eines längſt verſtorbenen Prinzen.“
Der Greis richtete ſich zu ſeiner vollen Höhe auf und ſagte mit ſtrengem Blicke:
„Ihr verlangt bittere Beweiſe, Kanzler. Mich dünkt, Ihr ſolltet mich ſelber kennen; denn ich gab Euch zuerſt ein Schwert.“
„Ich kann kein Zeugniß vor meinem eigenen Gerichtshofe ablegen,“ ſagte der Kanzler;„und wenn die Sache unterſucht wird, muß ſie vor mich kommen.“
„So tretet denn vor, Jacques Coeur,“ rief der Andere.„Kennt Ihr Euren alten Freund?“
„Gewiß,“ antwortete Jaeques Coeur, hinter de Brecy zum Vorſchein kommend.„Dies, Eure Maje⸗ ſtät, iſt Wilhelm Graf von St. Florent. Ich habe ihn in Zwiſchenräumen von zwei oder drei Jahren häufig wiedergefehen, ſeitdem er vom Hofe und aus der franzöſiſchen Armee verſchwand, und die ſehr kleine Summe, die er von den Einkünften von St. Florent bezogen, für ihn in Empfang genommen und an ihn ausgezahlt. Wenn mein Zeugniß nicht genug iſt, ſo kann ich zwanzig Zeugen ſtellen, die ihn von Perſon kennen.“
Es trat ein tiefes Schweigen ein; aber dann ſagte der Kanzler zum Könige:
„Dies müſſen wir wohl anerkennen, Sire. Ich ege keinen Zweifel, daß es der Graf iſt. Aber es


