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geln untergegangen, aber dennoch war ein kühles und angenehmes Licht über den Himmel verbreitet, und die Thürmchen des alten Schloſſes mit ihren zahl⸗ reichen Wetterfahnen und ein Banner an der Spitze des großen Schloßthurmes erhoben ſich über das kleine Dorf am Fuße des Felſens und ſchienen die letzten Strahlen der Sonne aufzufangen.
Der Abhang war ſteil und der Weg weiter, als Jean Charoſt erwartet hatte. Die Dämmerung war bereits eingetreten, als er ſich den Thoren näherte; aber dieſer letzte Zufluchtsort des Kronprinzen von Frankreich wurde nicht ſtrenge bewacht. In den Ge⸗ birgen von Auvergne, bei einem ſo weiten Zwiſchen⸗ raume zwiſchen ihm und ſeinen Feinden, hatte Karl keine Furcht vor einem Angriffe. Die Thore waren weit offen und eine einzelne Schildwache ſtand am Eingange. Jean Charoſt ritt auf den Hofplatz und ſah ſich vergebens nach Jemand um, den er anreden konnte. Keine Seele war ſichtbar. Er hörte die Töne einer Laute und einer Stimme aus einem der Thürme und ein heiteres Lachen aus einem langen niedrigen Gebäude zur Rechten des großen Hofes. Außerdem aber vernahm er Nichts, was ihm zeigen konnte, daß das Schloß bewohnt ſei, bis, gerade als er abzuſtei⸗ gen im Begriff war, ein zierlich in Blau und Sil⸗ ber gekleideter Page von einem Thurme zum andern hinüberging und einen Vogelkäfig in der Hand trug.


