171
ſich mit nachläſſiger Miene um, als ſuche er Etwas, womit er ſich die Zeit vertreiben könne; und als er Jean Charoſt erblickte, winkte er ihm, näher zu kommen.
„Es iſt mir lieb, Euch zu ſehen, Herr von Brecy,“ ſagte er.„Man ſagt mir, Ihr habt einen Brief von meinem Vetter von Orleans an mich. Wenn ich mich recht erinnere, waret Ihr der Sekretair ſeines Vaters, meines Oheims, der ſo ſchmachvoll gemordet wurde?“
„Das war ich, Eure Hoheit,“ verſetzte Jean Charoſt.„Erlaubt mir, Euch den Brief des jungen Herzogs zu überreichen.“
Der Dauphin nahm ihn, erbrach aber das Sie⸗ gel nicht, und ſagte:
„Ich bin tief bekümmert wegen der langen Ge⸗ fangenſchaft meines guten Vetters; und wenn wir die⸗ ſen trotzigen Herzog von Burgund irgend zu vernünf⸗ tigen Bedingungen der Uebereinkunft bewegen können, zweifle ich nicht, daß wir im Stande ſein werden, einen ehrenvollen Frieden mit England zu ſchließen, in welchem Falle ſeine und Eure Freilaſſung ausbe⸗ dungen werden ſoll; denn man ſagt mir, Herr von Brecy, daß Ihr uns gut gedient und bei Azincourt viel gelitten habt, daß aber Eure edle Aufopferung für meinen gemordeten Oheim Euch beinahe Euer eigenes Leben gekoſtet hätte. Ihr könnt Euch ver⸗ ſichert halten, daß Ihr erwähnt werden ſollt.“


