—
20
„Ich bitte Eure Hoheit, einzuſchreiten. Ihr kennt dieſen jungen Mann— Ihr wißt, daß er ge⸗ treu und redlich iſt— Ihr wißt, daß er ſelbſt auf Euren Befehl ſich weigerte, die Geheimniſſe ſeines Herrn zu verrathen, und Eurem höchſten Zorne Trotz bot— Ihr wißt, daß er nicht ſchuldig iſt.“
„Ich weiß es,“ ſagte der Herzog von Burgund aufſtehend und in hohlem, heiſerem Tone redend. „Meine Herren, er iſt nicht ſchuldig— ich bin deſſen gewiß. Nehmt Euren Befehl zurück, ich bitte Euch. Schickt in das Chatelet und laßt—“
Ein tiefes Stöhnen, welches einem unterdrückten Schreie glich, ſchien aus einer Thür an der Seite der Halle hervorzudringen und gleich dem Tone einer Or⸗ gel anzuſchmellen.
„Er iſt nicht weit entfernt, wie Ihr hört,“ ſagte der König von Navarra in gleichgültigem Tone. „Sagt ihnen, daß ſie inne halten, wenn Ihr wollt, edler Vetter.“
Der Herzog von Burgund wartete nicht auf die Erlaubniß, ſondern ſchritt bereits auf die Thür zu. Er öffnete ſie heftig und trat in ein kleines Gemach, welches keinen andern Ausgang hatte, als durch die Halle; aber er blieb einen Augenblick ſprachlos ſtehen, obgleich der arme Jean Charoſt auf einer Vorrichtung gleich einer eiſernen Bettſtelle ausgeſpannt lag und einer von den Leuten des Oberrichters am Kopfende


