Teil eines Werkes 
2. Bd. (1853)
Entstehung
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und legte das Inſtrument an ſeine mißgeſtaltete Schulter. 4

Es giebt Einige, welchen die Muſik wie durch Eingebung kommt. Alle anderen Künſte werden mehr oder weniger erworben. Aber die, welchen die Natur ein feines Gefühl für Harmonie eingepflanzt hat, überſpringen ſelbſt mechaniſche Schwierigkeiten und tragen ſogleich ihre muſikaliſchen Gedanken vor. Die Muſik muß ohne Kindheit aus dem Herzen Apollo's hervorgegangen ſein, ſo wie die Weisheit aus dem Haupte Jupiters. Der arme, verwachſene Knabe hatte nur wenig Unterricht bei einem unbedeutenden Lehrer gehabt; aber wenn er jetzt mit dem Bogen die Saiten berührte, brachte er Töne hervor, um deren Kraft ihn Beriot oder Rode möchten beneidet haben.

Seine großen, hellen Augen auf das Geſicht ſeines Vetters richtend, ſchien er in Muſik aus ſeinem eigenen Geiſte zu dem Geiſte ſeines Zuhörers zu reden.

Ob er irgend einen Plan hatte, und wenn das der

Fall war, worin dieſer Plan beſtand, kann ich nicht ſagen vielleicht wußte er es ſelber nicht; aber ſo viel iſt gewiß, daß die ſeltſame Phantaſie, die er in

dem Augenblicke vortrug, eine auffallende Beziehung zu Martin's Gefühlen zu haben ſchien. Zuerſt ſtrich er auf einmal über alle Saiten und brachte einen ſtarken und kühnen Mißton hervor dann kam eine tiefere und düſtere Stelle, die ſich gänzlich in den tie⸗

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