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„Die Schuld liegt an Eurem Käſe, Peter Giump,“
antwortete der Knabe heftig.„Es erging dem Dom Joachim, Kanonikus von St. Laurent, noch ärger, als Eurem Meſſer; denn er biß ſich an Eurem Käſe alle Zähne aus. Fragt ihn ſelber.“
„Du lügſt, kleines Ungeheuer,“ ſagte der Käſe⸗ händler zornig.„Es war ſo ſchlechtes Eiſen, wie nur je geſchärft worden.“,
„Vielleicht nicht ſo hart, wie Euer Herz,“ ant⸗ wortete der kleine Jean,„aber viel ſchärfer, als Euer Verſtand; und wenn Euer Käſe nicht wie ein Mühl⸗
ſtein geweſen wäre, würde es ihn ſchon durchſchnitten
haben.“
Der Käſehändler ging ſchnell fort, denn es wa⸗ ren zwei oder drei Frauen herbeigekommen, die mit Ausnahme einer einzigen, welche ſeine intime Freun⸗ din war, über die witzigen Entgegnungen des Kna⸗ ben lachten.
„Ach! liebe Frau Mathurine!“ rief der kleine Jean, die ernſte Dame anredend;„kauft eine neue Nadel für Euren Mantel. Er bedarf derſelben ſehr, um ihn ſo zuſammenzuſtecken, daß die Falten gut fallen.“
„Laß mich in Ruhe, Affe!“ rief die alte Frau, dem Käſehändler folgend. Der Knabe winkte den an⸗ deren Frauen mit den Augen zu und rief laut:
„Nun ja, Ihr ſeid weiſe. Eine neue Nadel würde nur ein Loch in den alten Fetzen reißen.
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