Bettes herum, ergriff das Kind, hüllte es in ſein Gewand und entfernte ſich.
O! welch eine furchtbare Stille herrſchte in jenem entſetzlichen Zimmer, als der Mörder ſich entfernt hatte. Es war, als herrſche dort noch etwas mehr als Stille— eine ſchwüle, drückende, bewegungsloſe Atmoſphäre des Todes und der Schuld. Es währte eine lange Zeit— länger, als eine halbe Stunde, und dann kam die Wärterin auf den Zehen zurückge⸗ ſchlichen. Anfangs bemerkte ſie nicht, daß etwas vor⸗ gegangen war. Alles war ſo ſtill und faſt ſo, wie ſie es verlaſſen hatte, daß ſie glaubte, es ſei keine Ver⸗ änderung vorgegangen. Sie bewegte ſich leiſe umher, ordnete einige ſilberne Kannen und Becher auf einem Seitentiſche und glättete die feine Damaſtdecke mit den zierlichen Franzen.
Gleich darauf wurde leiſe an die Thür geklopft, und als ſie auf den Zehen dorthin ging, bemerkte ſie, daß es einer der vornehmſten Diener des Herzogs von Orleans war, welcher kam, um nach dem Befinden der Dame zu fragen.
„Still!“ ſagte die Wärterin, ihren Finger er⸗ hebend;„ſie ſchläft wie ein Engel.“
„Und die Kleine?“ fragte der Mann.
„Sie ſchläft auch,“ verſetzte die Wärterin;„ſie hat ſeit einer Stunde keinen Schrei hören laſſen.“


