4
54
Kapitäler zu den Pfoſten hinzugefügt und ſie mit großen, wirklichen Straußfedern verſehen. An ver⸗ ſchiedenen Stellen der Draperien, die von karmoiſin⸗ rothem Sammet waren, zeigten ſich zahlreiche In⸗ ſchriften in Gold geſtickt. Einige waren Verſe aus Dichtern jener Tage oder aus den alten Heldenge⸗ dichten in der ſüd⸗ oder nordfranzöſiſchen Sprache, und ſeltſam genug auch Verſe aus den Pſalmen Davids.
Auf dieſem Bette lag in lieblichem Schlummer eine ſchöne, aber blaſſe Dame, welche die Spuren kürzlich überſtandener Krankheit in ihrem Geſichte trug, und neben ihr lag ein Kind, welches zehn oder vierzehn Tage alt zu ſein ſchien und nach der Sitte jener Tage eingewickelt war. Eine Lampe ſtand auf einem nahen Tiſche und ein leerer Stuhl am Bette, von welchem eine achtloſe Wärterin eben aufgeſtan⸗ den war, um ſich während des Schlummers ihrer Dame eine kleine Erholung zu verſchaffen. 8
Alles war ſtill und ruhig im Zimmer und im gan⸗ zen Hauſe. Die langen, ſchmalen Gänge waren leer und die Zimmer der Dienerſchaft weit entfernt im unteren Stock. Die ſilberne Schelle, die in der Nähe ſtand, hätte lange und laut klingeln können, ohne Jemand an
jenes Bett zu rufen; aber die Wärterin verließ ſich auf den erſten ruhigen Schlummer der Nacht und be⸗


