thätige Richtung geben dürfte. Dieſe mitzutheilen, war ſein Zweck, als er die Unterhaltung wieder auf den Charakter des Herzogs von Orleans lenkte; doch die angeborne Delikateſſe ſeines Geiſtes machte, daß er zauderte, als er die Fehler ſeines fürſtlichen Freun⸗ des berührte. Der höhere Zweck gewann indeſſen end⸗ lich die Oberhand, und er fuhr kühn fort:
„Es iſt nöthig, Jean,“ ſagte er,„Dich einiger⸗ maßen auf die Scenen vorzubereiten, in die Du Dich miſchen wirſt, und beſonders, Dir einige Kenntniß von dem Charakter des Fürſten zu verſchaffen, dem Du zu dienen im Begriff biſt. Ich will keine Namen nennen, da gerade viele Menſchen auf den Straßen gehen; aber Du wirſt wiſſen, von wem ich rede. Er iſt aus Gewohnheit ausſchweifend. Die Höfe der Könige ſind allgemein ſehr verderbt, und Eindrücke, die man in früher Jugend empfangen, ſo ſehr auch Vernunft und Religion in ſpäteren Zeiten dagegen ankämpfen mögen, laſſen immer einen ſchwachen Punkt im Charakter zurück, der durch Widerſtand nicht leicht geſtärkt wird. Des Menſchen Herz gleicht einer Feſtung, mein junger Freund, und eine Breche in den Mauern wird nie mit der früheren Feſtigkeit wieder ausgebeſſert. Ich will ſeine Fehler nicht beſchöni⸗ gen, denn ſie ſind ſehr groß, ſondern nur erklären, daß ich gute Rathgeber in ſeiner Nähe zu haben wünſche.“


