In jenem naͤmlichen Augenblicke, da ſie ihr Haupt auf die Hand geſtützt am Tiſche ſaß— was hatte jene finſtere, gerunzelte Stirne— was hatte jenes feſte Vorſichhinſtarren — jenes Zuſammenpreſſen der Zähne und Lippen zu bedeu⸗ ten? In jenem Augenblicke regte ſich Nero's Wunſch in Mrs. Hazleton's Herzen. Hätte ſie das halbe Menſchenge⸗ ſchlecht ermorden können, um jeden Beweis ihrer Verbrechen zu vernichten und der Schande, die ſie von Weitem angrinste, zu entrinnen— ſie hätte es ohne Gewiſſensbiſſe vollzogen.
Noch andere Gefühle waren in ihr lebendig. Sie är⸗
gerte ſich über ſich ſelbſt, daß ſie ſich auch nur im Gering⸗ ſten durch das Vorgefallene hatte bewegen oder erſchüttern laſſen, und mit entſchloſſener Anſtrengung— ich will es keinen Kampf nennen— mühte ſie ſich, ihre volle Selbſt⸗ beherrſchung wieder zu gewinnen— jenes ruhige, anmuthige, ſelbſtbewußie, würdevolle Benehmen anzunehmen, wie ſie es bei unbeflecktem Rufe in dem Glanze ihres Glückes zur Schau getragen hatte. Man konnte es in gewiſſem Sinne eine Schauſpielerrolle nennen; aber ſie ſpielte ſie vor ihren eige⸗ nen Augen ſo gut wie vor denen der Fremden. Sie beſchloß⸗ feſt zu ſeyn, und ſie war feſt.
„Der Tod ſteht vor mir,“ ſagte ſie:„aber darauf bin ich vorbereitet. Er ſoll keinen Nerv, kein Glied ſoll er mir erſchüttern. Alle anderen Uebel ſind— damit verglichen— nur Kleinigkeiten. Warum ſoll ich mich alſo im Geringſten davon angreifen laſſen? Nein, nein; ſie ſollen mich nicht zittern ſehen 14
Nachdem ſie etwa zwei Stunden unter ſolchen Gedanken


