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Und ſo waren Mrs. Hazleton's Empfindungen. Eine glückliche Lage, eine glänzende Stellung in der Geſellſchaft, Reichthum, Schönheit, Geiſt, Witz und Vorzüge aller Art— Alles ſah ſie weggeworfen und zur Befriedigung niedriger Leidenſchaften gegen Schande, Verbrechen und einen grauenhaften Tod vertauſcht. Es war ein ſchlimmer Handel; aber trotzdem daß ſie fühlte, wie ſie ihr Alles an die Rache geſetzt und, indem ſie dieſe gewann, ſich ſelbſt verloren hatte — trug ſie den Ausgang dennoch mit feſtem Herzen.
Alle dieſe eben aufgezählten Vortheile und noch weit mehr hatte Mrs. Hazleton beſeſſen; aber zwei Dinge waren ihr abgegangen, welche zu menſchlichem Glücke und menſch⸗ licher Tugend abſolut nothwendig ſind— nämlich ein Herz und edle Grundſätze. Das Eine hätte ſie nie erlangen kön⸗ nen, denn ſie war von Natur herzlos. Die Anderen hätten ihre Eltern ihr einzuflößen vermocht; aber ſie hatten ſolches verſäumt, denn ſie hatten ſelbſt zu wenig gute Grundſätze beſeſſen, um für ihre Tochter davon zu erübrigen.
Aber der Mangel an Herz— und es iſt dies eine merk⸗ würdige Erſcheinung— mildderte jetzt einigermaßen die Tiefe ihres Leidens: ſie empfand ihre Lage nicht ſo bitter, wie andere Perſonen mit feinerem Gefühlsvermögen ſie un⸗ vermeidlich empfunden hätten. Sie hatte ſich dermaßen daran gewöhnt, allen unbedeutenderen Regungen zu wider⸗ ſtehen, daß ſie in Wirklichkeit ganz verwiſcht worden waren: wilde Leidenſchaften konnte ſie empfinden, denn das Erd⸗ beben ſpaltet den Granit, den der Meiſel kaum anrührt, und ſie beſchäftigten ſie jetzt ebenſo ſehr wie immer.


