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dem Bette auf die Kniee warf und ſein Geſicht auf die todte Hand der einſt ſo Heißgeliebten drückte, da blieb kein Auge trocken bei Denen, die um ihn her ſtanden.
Eben in dieſem Augenblicke hörte man Sir Philipp Haſtings' Stimme von unten, wie er ein luſtiges frivoles Liedchen anſtimmte. Es war der furchtbarſte Geſang, den man noch jemals gehört hatte!
Zwei von den Dienern liefen eiligſt hinab, und der An⸗ blick des Lebenden war nicht minder ſchrecklich als der der Todten. Philipp Haſtings war ohne Beiſtand aus ſeiner Ohnmacht erwacht, hatte ſich vom Boden aufgerafft und ging jetzt in demſelben ſchwankenden Zickzackſchritte, welchen Marlow bei ſeiner Rückkehr an ihm bemerkt hatte, im Zim⸗ mer hin und her. Aus einer Wunde, die er ſich beim Niederſtürzen an der Stirne geſchlagen hatte, rann ein Blutſtrom über ſein Geſicht, und die Todtenbläſſe ſeiner Züge wurde dadurch nur noch geſpenſterhafter. Sein Mund war etwas verzerrt und gab ſeinem Geſichte einen fremd⸗ artigen, finſteren Ausdruck; aber aus den Augen, die einſt ſo voll Geiſt und Verſtand geweſen, war jede Spur der Ver⸗ nunft gewichen. Er ſtreckte die Hände vor ſich hin und ſchlug mit den Fingern den Takt zu ſeinem Geſange, den er ſogar nach dem Eintritte der Diener noch immer fortſetzte. Er äußerte nicht ein Wort bei ihrem Erſcheinen, ſchien ſie nicht einmal zu ſehen, bis der Tafeldecker, ſeine Lage be⸗ merkend, ihn beim Arme nahm und fragte, ob er nicht beſſer zu Bette gehen würde.
Nun alkerdings verſuchte Sir Philipp zu antworten;


