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ſonſt unausweichlich thun müſſen. Sie muß ſterben— ein ſolches Ungeheuer darf nicht länger auf Erden leben. Sie hat ſich gegen ihres Vaters Leben verſchworen— hat ſich mit ſeinen trügeriſchen Feinden verbündet— hat das Herz verrathen, das ihr ſo zärtlich vertraute— hat insgeheim mit einem niedrigen, gemeinen Schurken Verkehr gepflogen — hat Denen, die ihre eigenen Eltern geplündert, Hülfe und Anweiſung gegeben— hat mit der Ermordung der Mutter geendet, die ihr mit ſolcher Liebe anhing. Ich— ich bin durch jede Pflicht gegen die Geſellſchaft verbunden, ſie von einem Weſen zu befreien, das ich zu meinem eigenen Fluche, zu meiner eigenen Qual in die Welt geſetzt habe. Sie muß ſterben, und keine Hand als die meine darf es vollziehen!“
Er ſchaute mehrere Minuten in düſterem Brüten auf den Tiſch, und ging dann in ſtürmiſcher Haſt durch das Zimmer, während die Todesqual in jedem Zuge ſeines Ge⸗
ſichtes ſich ausdrückte. Händeringend ſchlug er ſeine Augen
gen Himmel und rief oft und immer wieder:
„O Gott— o GCott! iſt denn keine Hoffnung— kein Zweifel?— keine Möglichkeit, um zu zögern oder inne zu halten?— Keine, keine, keine!“ ſchloß er endlich und ſank in ſeinen Stuhl zurück.
Sein Auge ſchweifte im Zimmer umher, als ſuche es einen Gegenſtand, den er nicht ſehen könne, und dann mur⸗ melte er:
„So ſchön— ſo jung— ſo einnehmend— kaum achtzehn Sommer alt— und doch mit ſolchen Verbrechen beladen!“


