auf jedes Mitglied der Familie ausdehnte. Auch in der Schätzung des würdigen alten Geiſtlichen ſtand der Oberſt nicht viel höher; nur war der Paſtor unparteiiſcher gegen des Oberſts Familie. Lady Annabella Marſhall, ſeine Gattin, war während ihres Landaufenthaltes eine regel⸗ mäßige Beſucherin ſeiner Kirche. Sie war ausnehmend ſchön geweſen, war noch immer hübſch, und hatte einen ſüßen friedlichen Ausdruck wie eine Heilige, nicht frei von Melan⸗ cholie, der ſie ſogar in des alten Mannes Augen ſehr an⸗ ziehend machte. Man wußte überdies, daß ſie ihrem nicht ſehr guten Gatten eine ſehr gute Frau war, und Doktor Paulding ſchenkte ihr ehrlich geſtanden ebenſo gut ſein Mit⸗ leid wie ſeine Achtung. Er kam jedoch ſelten in's Haus, denn Oberſt Marſhall war ihm verhaßt, und der Oberſt er⸗ wiederte das Kompliment dadurch, daß er ſich nie in der
Kirche ſehen ließ.
Dieſes waren die Gründe, welche dem guten Paſtor den Gedanken, den jungen Philipp Haſtings in den Hof— wie Oberſt Marſhalls Haus genannt wurde— zu tragen, nichts weniger als angenehm machten. Aber was konnte er thun? Er ſchaute dem Knaben in's Geſicht, und dieſes war wie das eines Todten— kein Zeichen wiederkehrenden Lebens ward darauf ſichtbar.
Er hatte gehört, wie manche Peiſonen unter ſo plötz⸗ lichen Gemüthsaffektionen geſtorben waren, und ſo ſtill, ſo todtenähnlich waren Geſtalt und Antlitz des Knaben, als er dieſen eine Weile auf eine Bank vor der Hüttenthüre nieder⸗ legte, daß ſein Muth ihn verließ und eine zitternde Anwand⸗


