Druckschrift 
Rache : Novelle / von G. P. R. James
Entstehung
Einzelbild herunterladen

A*

5

womit das Hirn belaſtet war. Der Jüngling ſieht nichts als die Linien ſeines alten Buches; ſeine ganze Seele hängt an den beredten Worten. Er hört nicht, wie die Thüre aufgeht, ſieht nicht jene hohe, ehrwürdige, aber etwas ſteife und magere Geſtalt eintreten und ihm nahekommen. Er liest weiter, bis der Genfermantel des alten Mannes ſeinen Arm ſtreift und der Greis ihm die Hand auf die Schulter legt. Dann ſpringt er auf ſchaut ſich um ſpricht Nichts. Ein ſchwaches Lächeln, freundlich aber ernſt, ſpielt um ſeine feingeſchnittene Lippe; das iſt aber der einzige Will⸗ komm, während er ſeine Augen zu dem über ihm gebeugten Antlitze empor ſchlägt. Kann dieſer Knabe an Jahren im Herzen ſchon ein Greis ſeyn?

Es iſt klar, daß der alte Mann ein Geiſtlicher, denn das war er offenbar nicht ſehr zärtlicher Natur iſt, denn jede Linie ſeines Geſichts widerſpricht dieſer Annahme. Der Ausdruck ſelbſt iſt ernſt, wenn nicht gar ſtreng; die Macht des Gedankens ſpricht aus ihm, aber gar wenig Sanftmuth. Er ſcheint zu jenen Männern zu gehören, die in einer der vielen Feuereſſen, welche die Welt zur Erprobung ſtarker Gemüther und kräftiger Herzen unterhält verſucht und gehärtet worden. Es hat viel Verfolgung im Lande ge⸗ geben; viele Veränderungen vom Ernſt und der Strenge zu Leichtſinn und Frivolität, von dieſer wieder zu bitterer Grau⸗

ſamkeit haben die Zeit bezeichnet. Tyrannen in allen Ar⸗

ten und Geſtalten haben die letzten vierzig Jahre ausgefüllt, und Narren, Schurken und Tollhäusler haben ſie mit jedem denkbaren Fluche verfolgt. In dieſen Zeiten des Wechſels