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12 dem Gutsaufſeher von Dirleton. Der Mann erſchien un⸗ verzüglich, denn im ganzen Hauſe herrſchte jenes unbeſtimmte Unbehagen, jene Erwartung böſer Stunden, welche ſo häufig dem Unheil voraneilt, und jeder Diener war rüſtig bei der Hand.
Sobald die Thüre des kleinen Zimmers, in das ſie ſich zurückgezogen hatte, geſchloſſen war, begann die Gräfin:
„Ich weiß, ich kann Euch vertrauen, Guthrie. Ich habe Neuigkeiten von Perth, die mir nicht gefallen. Der König überraſcht meinen Sohn mit einem Beſuche, und der Earl läßt mir ſagen, ich ſoll auf meiner Hut ſeyn und für die Sicherheit ſeiner Brüder wachen. Haltet vier Pferde ge⸗ ſattelt im Stalle; zwei Diener müſſen parat ſeyn, um im Nothfall mit den Knaben zu fliehen— wenigſtens bis wir mehr erfahren. Und nun, Guthrie, ſammelt mir alles Geld, das Ihr auftreiben könnt; zeht zu allen benachbarten Pächtern und fordert ihnen ſämmtliches vorräthige Geld ab, ſoweit ſie es an Zinſen ſchulden. Sagt ihnen, die Gräfin brauche es: ſie wiſſen, daß ich ſie nur in der höchſten Noth dränge, und ſie werden mir's, denk'ich, nicht abſchlagen.“
„Es iſt nicht Einer unter ihnen, der nicht bereitwillig ſeinen letzten Heller hergäbe, Mylady,“ erwiederte der Faktor. „Höchſtens der alte Jock Halyburton von der Mühle wird eine Ausnahme machen. Ich will ſogleich meine Runde antreten und in einer Stunde zurück ſeyn.“
„So geht denn, Guthrie, geht,“ antwortete die Gräfin, und ihr Haupt auf die Hand ſtützend, verweilte ſte über eine halbe Stunde in tiefen, bitteren, peinlichen Gedanken. Sie


