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die Hand entgegenſtreckte. Auch ſie konnte ihm nicht uner⸗ ſchüttert begegnen— ihre Bewegung war zu deutlich ſichtbar, trotz all der angebornen Selbſtbeherrſchung, welche eine der erſten Tugenden in einem züchtigen, wohlerzogenen Frauen⸗
herzen ausmacht. Die Farbe wechſelte auf ihrer Wange;
die fein gemeißelte Lippe bebte in dem vergeblichen Be⸗ mühen zu ſprechen, und die ſchwarzen, glänzenden Augen, als ob ſie ſich vor ihrer eigenen Verrätherei fürchteten, ver⸗ ſchleierten ſich hinter den langen Lidern, indem ſie dem zärtlichen Strahle, den ſie einen Augenblick aufgefaßt, aus⸗ zuweichen ſtrebten..
Unmittelbar nach ſeinem Eintritte verließ die kluge alte Frau das Zimmer und ſchloß die Thüre. Der junge Mann blieb eine Weile ſchweigend ſtehen, während die Hand der Dame in der ſeinigen ruhte: gleich darauf erhob er dieſe Hand und drückte ſie an ſeine Lippen. Dies war dazumal der gewöhnliche Gruß der Höflichkeit, der nichts weiter als freundliche Beachtung oder Verehrung ausdrückte; aber Beide fühlten dennoch, daß ein gewiſſes Feuer in dieſem Kuſſe lag, und Beide wurden nur noch bewegter als zuvor.
„Julia!“ ſtammelte der junge Graf endlich,„Julia, Ihr ſeyd tief bewegt, wie ich ſelber; wir ſind lange getrennt geweſen—“
Sie ſank langſam in ihren Stuhl nieder; aber ſie fühlte wohl, daß ſie ein Wort des Willkömms ſagen müſſe, wenn ihr Schweigen nicht Alles verrathen ſolle: ſo antwortete ſie denn:
„Ich habe Vieles, ſehr Vieles erlebt, was mich in neue⸗


