746 „Lord Stanley,“ und viele andere dieſes„Stanley! Stan⸗ ley!“ laut wiederholten. 6
Richmond trat einen Schritt vorwärts, aber ehe er den Rand des Zeltes erreichen konnte, kam Stanley ſelber zum Vorſchein. Er trug in ſeinen Händen die königliche Krone, welche Richard auf ſeinem Helme geführt hatte, und ohne Schwert ging er gerade auf Richmond zu und ſetzte ſie ihm auf's Haupt. Dann kniete er nieder und rief laut:
„Heil Dir, König von England! Lang lebe unſer ſou⸗ veräner Lord, König Heinrich VII.!“
Richmond umarmte ihn warmherzig, während lauter Jubel die Luft zerriß, und zwiſchen Beiden wurden einige Worte geflüſtert, welche kein Ohr vernahm. Henry trat ſofort mit der Krone auf dem Haupte vor, dankte den Um⸗ ſtehenden gnädig für ihre Hülfe und guten Dienſte, indem er einige Worte über das Glorreiche des Tages beifügte.
„Ich vermiſſe übrigens Einen,“ fuhr er fort,„welchem doppelter Dank gebührt. Ich kann ihn nicht nennen, denn ich kenne ihn nicht. Aber ſeine Hand vertheidigte mein Le⸗ ben, als ſchon zwei tapfere Ritter von meines Gegners Fauſt gefallen waren, und er erſchlug den Uſurpator der Krone, die ich jetzt trage. Er hatte um ſeinen Hals Kette und Stern eines ausländiſchen Ordens und—“
„Er iſt ſchwer verwundet, Sire,“ ſagte Lord Chartley, welcher eben herbeigekommen war. Jene Sänfte, die Ihr
dort ſehet, trägt ihn auf ſein eigenes Verlangen nach dem
St. Clarenkloſter. Er erſuchte mich ernſtlich, Euer Gna⸗
den zu bitten, Ihr möchtet, wenn Eure Zeit es erlaubt, auf
Eurem Marſche nur ganz kurz bei ihm einſprechen. Er iſt
ein Mann von hoher und edler Geburt, einem königlichen
Hauſe verwandt; aber ich darf nicht weiter ſagen. Das
Uebrige wird er Euch ſelbſt erzählen, wenn er Eure Ankunft
noch erlebt.“
„Edler Lord Chartley, auch Euch ſchulde ich großen
Dank, und er ſoll in einer Münze bezahlt werden, die Ihr


