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fanden, einen falſchen Begriff von dieſer ſelbſt ſich zu bilden. Sie hatte die Bilder ſchon vorgefunden, als ſie Aebtiſſin des Kloſters wurde, und betrachtete ſie und ihre Liebesgeſchichte wie jedes andere Stickereiſtück. Wäre es ihr je zu Sinn gekommen, daß ihr Vorhandenſeyn etwas Unſchickliches an ſich habe, ſo hätte ſie ſte vermuthlich entfernt, obwohl ſie vier bis fünf Mark hätte daran wenden müſſen, um eine paſ⸗ ſendere Tapete dagegen einzuhandeln. Nicht daß ſie im Ge⸗ ringſten ſteif, ſtreng oder rigorös geweſen wäre, denn ſie war die luſtigſte kleine Aebtiſſin von der Welt; allein ſie wußte mit einem großen Frohſinn des Herzens die höchſte Unſchuld und Einfalt zu vereinen, welche mit geſundem Verſtande und ziemlicher Schlauheit vollkommen verträglich waren. Schon ſehr frühe in ein Kloſter eingeſperrt, keinem der Wechſelfälle des Lebens ausgeſetzt, und unbekannt mit den verderbenden Lehren der Welt, war ihr Frohſinn geſchont, ihre Einfalt ungeſchwächt und die natürliche Schärfe ihres Verſtandes noch nicht abgenützt, obwohl hie und da ein Roſtfleck auf der Klinge ſich finden mochte. Sie war ohne ihre eigene Einwilligung weder mit noch gegen ihre Wünſche in's Kloſter gegangen. Sie hatte ſich dabei ganz gleich⸗ gültig verhalten, und da ſie nie Gelegenheit gehabt hatte, eine andere Lebensſtellung zu erproben, ſo war ſie nicht un⸗ zufrieden mit ihrem Looſe und bemitleidete eher diejenigen, welche in einer ihr unbekannten Welt zu wohnen genöthigt waren. Da übrigens das Mitleid mit ihrem Berufe nichts zu ſchaffen hatte, und die Kaſteiung in den Katalog ihrer Pflichten niemals aufgenommen worden war, ſo ſah ſie keine


