Sechsundvierzigſtes Kapitel.
Noſſe und Wagen ſtanden vor den Thoren von Ormebar⸗ Caſile; der Schloßhof wimmelte von Dienern in allen Arten von Livreen. Lady Coldenham hatte beſchloſſen, daß es der Hochzeit nicht an Zeugen fehlen ſolle, und der geſammte Adel der Grafſchaft war eingeladen. Einige von denen, welche die vergangene Woche dageweſen, fragten bei ihrer Ankunft, ob Lord Coldenham zurückgekehrt ſey, und ob⸗ wohl die Frage verneint wurde, ſo wunderten ſie ſich doch nicht ſonderlich, denn Lady Coldenham war ſo vollſtändige Selbſtherrſcherin in ihrer eigenen Familie, daß Niemand erwarten konnte, ſie würde einem Sohne zu Gefallen eine Aenderung in ihren Anordnungen treffen.
Die große Halle war an dieſem unheilverkündenden Mor⸗ gen weit geöffnet und mit Immergrün und den wenigen Blumen verziert, die der abgelaufene ſchönere Sommer noch übrig gelaſſen hatte. Nicht weniger als vierzig bis fünfzig Perſonen waren in der Halle verſammelt; aber von der Fa⸗ milie kam noch Niemand zum Vorſchein, außer Robert Woodhall, der ſich einige Minuten im Zimmer aufgehalten und dann mit der Erklärung entfernt hatte, daß noch einige Dokumente und andere Schriften in dem kleinen Salon nebenan, wo Lady Coldenham ihre Gäſte gewoͤhnlich empfing⸗
zu unterzeichnen ſeyen.
Nach jenem Salon müſſen denn auch wir unſere Blicke lenken, bevor wir erzählen, was ſich ſpäter in der Halle er⸗
eignete, als die Geſellſchaft zur Trauung aufbrach.


