Druckschrift 
Das Schicksal : Erzählung aus bewegten Zeiten / von G. P. R. James
Entstehung
Einzelbild herunterladen

566

Dreiundoierzigſtes Kapitel.

In einem reichen koſtbaren Zimmer war eine große Tafel gedeckt, und an ihr ſaßen viele Perſonen von ſehr würdevoller Stellung, aber in jenem Augenblicke nichts weniger als würdevoll in ihrem Benehmen. Obenan ſah man einen ältlichen Mann, ſehr fett und mit rothem Ge⸗ ſicht, das offenbar durch die Zugaben des Mahles keine ſei⸗ ner Roſen eingebüßt hatte. Es war der Major der Stadt, der die Richter mit einer Abendmahlzeit traktirte. Ihm zur Rechten ſaß der Lord Oberrichter Jeffreys; ſeine Perrücke war ſtark nach der einen Seite geſchoben und der eine Mund⸗ winkel höchſt ſonderbar zuſammengekniffen, während der andere ſchlaff herabhing, als ob er von einer leichten Läh⸗ mung getroffen worden wäre. In ſeinen Augen lag jedoch ein luſtiges Schielen und eine derbe Munterkeit in ſeinem ganzen Weſen, welche mit ſeinem rohen wilden Ausſehen auf der Gerichtsbank merkwürdig kontraſtirte. Ja ſie kon⸗ traſtirte höchſt auffallend, war aber noch nichts— vergli⸗ chen mit dem harten abſtoßenden Unterſchiede ſeiner wüſten, leichtſinnigen Tafelunterhaltung gegenüber ſeiner barſchen,

übermäßig grauſamen Sprache am heutigen Morgen. Da

ſaß er lachend und trinkend, ſcherzend und ſingend, kaum nachdem er ein Dutzend Unſchuldiger zum Tode verdammt hatte.

Ich glaube, daß Richter gleich Leichenbeſorgern gegen den Gedanken des Todes verhärtet werden.