129
Arten von Ausſchweifungen zu begehen. In keinem Lande auf der Welt ſind die Frauenzimmer weniger gewiſſenhaft und zuruͤckhaltend, und die Maͤnner nach⸗ ſichtiger und gefaͤlliger, als in der Gegend der Tu⸗ rons⸗Bai. Die ſonderbare Beguͤnſtigung, welche in Solon's Geſetzen den jungen Frauensperſonen geſtattet wurde, daß ſie perſoͤnliche Gunſtbezeigungen nach Gutduͤnken verwilligen durften, um durch dieſe ſich und ihren Familien die nothwendigſten Beduͤrf⸗ niſſe des Lebens zu verſchaffen, hat auch in Cochin⸗ china ſtatt, und zwar ohne alle Einſchraͤnkung in Ruͤckſicht auf Perſonen, Alter und Verhaͤltniſſe. We⸗ der der Ehemann, noch der Vater ſcheint das geringſte Bedenken zu tragen, ſeine Frau oder Tochter Jedem, welcher ſie haben will, Preis zu geben. Dieſer Fall iſt bei allen Staͤnden.
Das ganze Aeußere der Cochinchineſen hat wenig Einnehmendes. Das weibliche Geſchlecht hat hier keine großen Anſpruͤche auf Schoͤnheit zu machen; doch erſetzen ſie dieſen Mangel durch ihren lebhaften und froͤhlichen Charakter. Beide Geſchlechter haben ſehr grobe Geſichtszuͤge und eine beinahe ebenſo dunkle Geſichtsfarbe, wie die Nalayen. Durch das beſtaͤn⸗ dige Kauen von Areca⸗Nuͤſſen und Betel werden ihre Lippen roth, und die Zaͤhne ganz ſchwarz. Die ge⸗ woͤhnliche Kleidung des weiblichen Geſchlechtes beſteht in einem weiten baumwollenen Kittel von brauner oder blauer Farbe, welcher bis auf die Mitte der Schen⸗


