Teil eines Werkes 
2. Th., 1. Bdchn (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

91

Rio gegen Fremde, wurde von vielen Reiſenden nicht auf die guͤnſtigſte Art ausgelegt. Ich aber glaube keineswegs, daß die Aeußerungen von Froͤhlichkeit und guter Laune, mit welchen ſie von den Altanen ihrer Haͤuſer den voruͤbergehenden Fremdling freund⸗ lich winken, und lachend Blumen auf ſie herabwer⸗ fen, beſonders da ich haͤufig geſehen habe, daß ſie daſ⸗ ſelbe in Gegenwart ihrer Vaͤter und Maͤnner thun, auch nur mit dem geringſten Scheine von Recht fuͤr eine unſchickliche Aufforderung gehalten werden koͤn⸗ nen, oder daß man befugt iſt, dieſer allgemeinen, ohne allen Nebenzweck befolgten Landes⸗Sitte eine andere unſittliche Abſicht unterzulegen.

Bei einem Ausfluge in das Thal von Tejeuca hatten wir die traurige Gelegenheit, uns zu uͤberzeu⸗ gen, wie erbaͤrmlich vernachlaͤſſigt dieſes ſchoͤnſte und fruchtbarſte unter allen Laͤndern, ſogar auch in der Naͤhe ſeiner groͤßten und volkreichſten Stadt iſt.

Der Moͤnche Unfug zu Rio de Janeiro wird ſo genaͤhrt und unterhalten, daß ſie ſich den ganzen Tag mit leeren Zeremonien beſchaͤftigen, Heiligen⸗ Bilder in den Straßen zur Auferbauung des Volks umhertragen, und ſo jeden Funken der Vernunft in demſelben erſticken und unterdruͤcken, ohne ihm etwas Beſſeres zu geben. Das beſtaͤndige Laͤuten der Glok⸗ ken zu den Metten, Vespern, großen Meſſen und Requiem fuͤr irgend eine abgeſchiedene Seele, welche etwa einer Kirche ein bedeutendes Legat vermacht hat⸗