245
Daß bei ſolchen Umſtaͤnden es um das Beichtſigin ſchlecht ſtehe, ſieht jeder ſelbſt ein. Der ganze Gottes⸗ dienſt der Habeſſinier beſteht im Empfange der heil. Kommunion und bn dem Anhoͤren beſtimmter Ab⸗
ſchnitte aus dem N. T.; Predigten werden keine ge⸗
halten. Die Cr ged bewahren ſie in einer ganz eigenen hoͤlzernen Lade auf, welchen Gebrauch ſie durch den der erſten Kirche rechtfertigen wollen. Zur Euchariſtie bedienen ſie ſich des geſaͤuerten Brodes; nur am Donnerſtage machen ſie davon zum Andenken des Feſtes der ungeſaͤuerten Brode eine Ausnahme. Daß ſie unter beiden Geſtalten communietren, iſt ſchon vorgekommen. Die Euchariſtie in Privathaͤuſer zu tragen, iſt durchaus nicht erlaubt.
Das Zeichen zum Gottesdienſt geben ſie in Er⸗ manglung eherner Glocken, mit hoͤlzernen, eiſernen oder ſteinernen Schellen. Eben ſo ſchlecht ſieht es mit der Habeſſiniſchen Kirchen⸗Muſik aus, welche in einem mißtoͤnigen Geblaͤrre der Canoniker unter Be⸗ gleitung von Cymbeln und Klappern beſteht, welche zu ruͤhren an hohen Feſten ſelbſt die Magnaten des Reiches ſich zur Ehre ſchzen. Dabei fuͤhrt man, zur Nachahmung des vor der Bundeslade tanzenden Da⸗ vid, oͤfters nicht gar anſtaͤndige Taͤnze auf. Die Faſten werden nirgends ſtrenger gehalten, als in Habeſſinien; man enthaͤlt ſich nicht nur von gewiſſen Speiſen, waͤh⸗ rend man ſich dabei mit andern wohl fuͤttern koͤnnte, ſondern man verſucht gleichſam ſeine Kraͤfte im Faſten⸗


