Teil eines Werkes 
1. Th., 2. Bdchn (1830)
Entstehung
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gemalte Bilder, da man Statuen geſchnitzte oder aus Erz gegoſſene fuͤr Goͤtzenbilder anſieht. Daher iſt an ihren Kreuzen auch das Bild des Erloͤſers nicht zu ſehen, ſondern die Cleriker tragen in den h. Ver⸗

ſammlungen das bloße Kreuz vor, und reichen es den

Glaͤubigen zum Kuſſe, wodurch ſie das Bekenntniß des Chriſtenthums ablegen.

Was nun die eigentliche Liturgie, die heiligen Gebraͤuche und Ceremonien betrifft, ſo unterſcheidet ſich die Habeſſiniſche Kirche gaͤnzlich von der lateini⸗ ſchen. Zum Belege hiervon nur Einiges:

Die Taufe der Erwachſenen, welche bei der Nach⸗

barſchaft der Heiden kein ſeltener Fall iſt, geſchieht bei den Habeſſiniern durch Untertauchen. Die Kin⸗ dertaufe ſchieben ſie, wenn nicht Nothfall vorhanden iſt, wohl manchmal ein halbes Jahr hinaus. Amn Feſte der Erſcheinung des Herrn feiern ſie das Anden⸗ ken der Taufe Chriſti durch Wiederholung der Taufe. Ihre Beicht legen ſie nur im Allgemeinen ohne die Aufzaͤhlung einzelner Suͤnden ab, mit dem Bekenntniſſe: wir haben geſuͤndigt. Mit Muͤhe brachten die roͤmi⸗ ſchen Prieſter es dahin⸗ daß ſie die 3 Laſter, des Mor⸗ des, Ehebruchs und Diebſtahls namentlich bekennen,

bei welchen und andern großen Laſtern ſie die Los⸗ ſprechung wohl manchmal auch recht derb fuͤhlen muͤſſen, da die bereit ſtehenden Diener des Metro⸗ politen nur auf den Wink der Prieſter warten, um

gröbere Suͤnder mit Geißel⸗Streichen zu bedienen.