2³4 zwingen aber auch einen ſolchen, der kein Schweine⸗
fleiſch genießt, nicht zu deſſen Genuſſe.— Haben ja doch die meiſten Vöͤlker in Beziehung auf den Genuß des Fleiſches eigenthuͤmliche Gewohnheiten. Die Tuͤr⸗ ken enthalten ſich des Schweinefleiſches und des Wei⸗ nes, die Pythagoraͤer aßen keine Bohnen, andere wilde Voͤlker verzehren das Fleiſch aller Thiere, die ihnen aufſtoßen; und als Gregor einſt in Deutſchland ge⸗ fragt wurde, warum er kein Schweinefleiſch genieße, ſtellte er auch gegenſeitig und wohl mit Recht die Frage: warum wir kein Pferdefleiſch aͤßen? Man muß hier immer Ruͤckſicht auf Aberglaube und Ge⸗ wohnheit nehmen. Vom Blute und vom Erſtickten enthalten ſich die Habeſſinier gaͤnzlich; aber nicht we⸗ gen Moſaiſcher, ſondern wegen Apoſtoliſcher Anordnung.
Den Sabbath feiern die Habeſſinier ebenfalls nicht, nach des Claudius Geſtaͤndniſſe, wie die Juden. Sie feiern an dieſem Tage das Abendmahl und die alten Liebesmahle, enthalten ſich uͤbrigens nur von rein knechtiſcher Arbeit. Ja Claudius zieht die Feier des Sonntags der des Sabbaths noch vor, als dem Tage der Auferſtehung Chriſti, der Sendung des h. Geiſtes ꝛec.
Die Levirats⸗Ehe der Juden, kraft welcher ein Bruder die Wittwe ſeines verſtorbenen Bruders heirathet, iſt auch in Habeſſinien erlaubt. Gregor laͤugnet es, und ſagt nur, daß dergleichen Ehen von der Obrigkeit zwar nicht beſtraft, daß aber doch die


