Teil eines Werkes 
1. Th., 2. Bdchn (1830)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

171

der Seele und des Koͤrpers, durch Tapferkeit, Treue und Glauben ausgezeichnet ſeyen. Wahrlich ein herr⸗ liches Zeugniß fuͤr ein ſonſt ungebildetes Volk. Es iſt auch ausgemacht, daß die Habeſſinier, wenn ſie ſich nur auf einige Hoͤhe von Bildung erſchwingen könnten, durch geiſtige Vorzuͤge alle uͤbrigen Voͤlker Afrika“s uͤbertreffen wuͤrden. Aus dieſem Grunde ſind auch im Oriente die Habeſſiniſchen Sklaven am meiſten geſucht, und daher heißt auch der Koͤnig von Habeſſinien hie und da— Preſter⸗ Chan, welches bei den Perſern bedeutet— den Fuͤrſten der Sklaven..

Die Habeſſinier ſind ferner ſehr lernbegierig, und ganz beſonders eingenommen fuͤr ſchoͤne Kuͤnſte und Wiſſenſchaften. Haͤtten ſie Gelegenheit und Huͤlfs⸗ mittel zu lernen, wahrlich an Fleiß und Anlagen

fehlte es ihnen nicht. Aber die Beſchwerlichkeit und

das Gefahrvolle der Reiſen nach Habeſſinien, die Scheu der Habeſſinier ſelbſt vor langwierigen Reiſen, der Neid und Geiz der Tuͤrken, die einen hoͤheren Bildungs⸗Grad der Habeſſinier fuͤr ſich gefaͤhrlich hal⸗ ten, haͤufige Kriege im Innern, und von Außen be⸗ ſtäͤndiger Kampf mit den Gallanern, laſſen die Kuͤnſte des Friedens in Habeſſinien nicht auf⸗ keimen.

Daß nicht alle Volkerſtaͤmme Habeſſiniens dieſe Lobſpruͤche verdienen, leuchtet bei einer ſo großen Ver⸗ ſchiedenheit von Menſchen leicht ein, und unter an⸗