——.,——
161
Bei einer ſo großen Fruchtbarkeit halten ſie es auch nicht fuͤr noͤthig, Vorraͤthe zu ſammeln, theils im Vertrauen auf die Fruchtbarkeit ihres Landes, theils, weil ſie keine Scheunen haben. Heu fuͤhren ſie eben⸗ falls nicht zuſammen, obwohl dieſes wegen der Heu⸗ ſchrecken, die oft Hungersnoth fuͤr Menſchen und Thiere verurſachen, ſehr noͤthig waͤre. 3
Der Habeſſiniſche Boden bringt auch Kraͤuter aller Art hervor: nicht nur die gewoͤhnlichen Gewuͤrz⸗ und Mediein Kraͤuter Europa's, ſondern ganz eigene von wunderbarer Beſchaffenheit, unter welchen aber am meiſten ſich auszeichnet die Arſazoe, ein ſo be⸗ waͤhrtes Mittel gegen alles Schlangengift, daß die giftigſten Vipern damit beruͤhrt, davon betaͤubt oder todt werden. Schon der Schatten dieſes Krautes ſoll ihnen erſchrecklich und der Genuß ſeiner Wurzel ſo wirkſam ſeyn, daß man ohne Gefahr unter Schlangen wandeln kann, und ſogar auf mehrere Jahre gegen ſie ſo geſichert iſt, daß die Habeſſinier ſie mit der Hand faſſen, ihnen Halsbaͤnder anlegen, oder ſie ohne Muͤhe toͤdten. Es iſt dieſe Arſazoe wahrſcheinlich die naͤmliche Pflanze, welche jenes afrikaniſche Volk der Pfyllen wegen ihrer Kunſt, den Biß der
Schlangen zu heilen, ſo beruͤhmt machte. Wilden
Safran haben die Habeſſinier haͤuſig, aber keinen
Hopfen; ſie brauen Bier ohne dieſen. Sie haben
ferner die herrlichſten Weinſeoͤcke und Trauben, aus 50. B. Afrika, I. 2. 3


