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Die Inſel Kandia hat ihren Namen von der Hauptſtadt, welche die Stelle des alten Heraklea⸗ einnimmt. Die Stadt hat uͤber eine Meile im Um⸗ fange, ihre Mauern ſind gut, mit tiefen Graͤben um⸗ geben, aber ohne alles Auſtenwerk. Auf der Seeſeite iſt ihr nicht beizukommen, weil das Wäſſer zu ſeicht iſt. Gewoͤhnlich ſchickt die Pforte einen Paſcha von drei Roßſchweifen, als Statthalter dahin. Die erſten unterbefehlshaber und die verſchiedenen Korps der ottomaniſchen Miliz ſind alsdann in dieſer Stadt bei⸗ ſammen. Als ſie noch der Republik Venedig ge⸗ hoͤrte, war Reichthum daſelbſt und bluͤhender Haͤndel. Sie iſt aber, wie alle anderen bluͤhenden Staͤdte, welche unter tuͤrkiſchen Scepter kommen, von ihrer ehemaligen Macht ſehr geſunken. Ihr ſicherer Hafen, ein großes Becken, wird taͤglich ſeichter, und traͤgt nur noch kleine Faͤhrzeuge. Die Zahl der Einwohner iſt auch geringer als ſonſt, und es herrſcht lange nicht mehr die fruͤhere Lebhaftigkeit in den Straßen. Die chriſtlichen Kirchen ſind in Moſcheen verwandelt, die Griechen haben nur noch zwei Gotteshaͤuſer, die Ar⸗ menier nur noch eines, und die Zuden nur noch eine Synagoge⸗
Weſtlich von Kandia zieht ſich eine Bergkette hin, die vom Ida herabkommt, und deren Spitze das Vorgebirge Dion bildet. Ehe man dahin gelangt, goͤßt man auf Palaͤo⸗Caſtro; ſo nennen die heu⸗ zigen Griechen alle alten Plaͤtzen Seine Lage⸗ trifft.


