Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
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Geſchoͤpfe, welche ſo reichlich von der Natur mit Grazie und Ebenmaaß der Form ausgeſtattet ſind, ver⸗ bergen durch ihre Kleidung die reitzenden Umriſſe ih⸗ res Koͤrpers nicht, und ſind in der That durch ihren freundlichen Charakter, ihre unſchuldige Froͤmmigkeit, und ihr hoͤchſt naives Beſtreben zu gefallen, außeror⸗ dentlich liebenswuͤrdig.

Die Inſel Seio fuͤhrte im Alterthume den Na⸗ men Chios, Chio und ihre Stadt gleiches Na⸗ mens lag auf dem Gipfel eines Berges. Die jetzige Stadt Scio iſt ziemlich groß und ſchoͤn, und wurde von den Genueſen erbaut, welche lange im Beſitze der Inſel geweſen ſind. Sie iſt an dem Fuße dieſes Berges, am Ufer des Meeres erbaut. Ihre Bewoh⸗ ner ſind noch jetzt, wie zur Zeit Belon's, die boͤf⸗ lichſten, gefaͤlligſten, lebhafteſten, froͤhlichſten und vielleicht auch die geiſtreichſten unter allen Griechen. Die Frauensperſonen auf der Inſel ſind hoͤchſt lie⸗ benswuͤrdig, und beſonders zuvorkommend hoͤflich. Sie beſchaͤftigen ſich groͤßtentheils damit, mehrere Arten von Arbeiten, und beſonders ſehr ſchoͤne Geldbeutel von Seide zu ſtricken. Um dieſe Arbeiten deſto beſſer zu verkaufen, lernen ſie die Sprachen aller Nationen, die nach der Levante handeln, um ſie jedem Voruͤber⸗ gehenden in ſeiner Mutterſprache zum Verkauf aubie⸗ ten zu koͤnnen. Die Seidenwuͤrmer⸗Zucht iſt eine faſt allgemeine Beſchaͤftigung aller Einwohner von Seio, beſonders aber geben ſich die Frauensperſonen damit