Teil eines Werkes 
3. Th., 2. Bdchn (1829)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

Geſchenke von Kuchen, Wein, Reis, den ausgeſuchte⸗ ſten Baumfruͤchten, und andern mit Blumen und Baͤndern gezierten Speiſen auf das Grab. Dort wer⸗ den ſie unter die Umſtehenden vertheilt, und ſogleich verzehrt. Dieſe Mahlzeit zum Gedaͤchtniſſe des Ver⸗ ſtorbenen heißt Coliva, und wird jedes Mal unter unzaͤhlichen Thraͤnen gefeiert. Auch wird ein ganzes Jahr alles Fleiſch und alle Fruͤchte, welche der Ver⸗ ſtorbene gegeſſen haben wuͤrde, unter die Armen ver⸗ theilt. Zum Zeichen des Schmerzes und der Trauer laſſen die Maͤnner den Bart wachſen, die Weiber ver⸗ nachlaͤſſigen den Anzug und alle oͤffentlichen Zuſam⸗ menkuͤnfte; ſogar die in der Kirche werden auf das ſorgfaͤltigſte vermeidet.

XVIII. Der Ackerbau, gewoͤhnlich bei allen Na⸗ tionen die reichſte Ouelle des Wohlſtandes, kann un⸗

ter einer willkuͤhrlichen und gewalt ſamen Regierung 1

keine Fortſchritte machen. Die Griechen verrichten ihre Feldarbeiten mit Nachlaͤſſigkeit, und glauben dieſe durch aberglaͤubiſche Gebraͤuche, welche ſie ſtreng beobachten, wieder gut machen zu koͤnnen. Der erſte Tag der Ausſaat iſt fuͤr den Beſitzer von Laͤnde⸗ reien ein Feſt; er zieht ſeine beſten Kleider an, ladet ſeine Freunde ein, und verlebt den Tag in Herrlich⸗ keit und Freude. So lange die Ausſaat dauert, darf keinem Nachbar weder Feuer gegeben, noch ihm er⸗ laubt werden, dieſes aus dem Hauſe zu holen. Dieß